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Mi 25. Januar 2017

Vom Winter im Land

...und wie der Skisport begann!

Auch wenn der Winter jetzt so gar nicht „meine Jahreszeit“ ist – die weiße Pracht im eiskalten Kleid ist trotzdem traumhaft schön. Außerdem hat sie uns in den vergangenen 120 Jahren so einiges an Veränderung und Fortschritt mitgebracht…

 

Zu Ende des 19. Jahrhunderts gab es in den Zeitungen, von den in skandinavischen Ländern gebräulichen Skiern, zu lesen. Friedtjof Nansen hatte mit den hölzernen Latten erfolgreich Grönland durchquert und ein Buch darüber veröffentlicht. Nun erweckten sie auch hierzulande die Neugier der ersten Alpinisten und nachmaligen Skipioniere.

1896 hatte sich  der Warther Pfarrer, aufgrund einer Zeitungsannonce, als Erster ein Paar Skier bestellt und dann heimlich im Pfarrgarten Skifahren gelernt. Nach seinen nächtlichen Übungsfahrten (um sich nicht vor seiner Gemeinde zu blamieren) folgte die erste große Tour zum „Amtskollegen“ in Lech. Die Rückkehr ließ sich dann freilich nicht mehr verheimlichen…

 

 

Die Skier galten als flottes Verkehrsmittel das in erster Linie Postboten, Ärzten und Priestern zugutekam. Aber auch die Jugend war schnell  begeistert von der neuen Fortbewegungsart und bald baute man sich aus Fassdauben die ersten eigenen Skier nach. Dass sich daraus im Laufe der Zeit ein großartiger Volkssport entwickeln würde, hätte am Anfang wohl niemand gedacht.

 

 

Nur wenige Jahre später, 1902, wurde am Arlberg bereits der erste Skikurs für Bergführer durchgeführt und damit auch ein Grundstein für den Wintertourismus gelegt. Dieser Skikurs ermöglichte es den Teilnehmern ihr Wissen an Interessierte und Gäste weiterzugeben – die erste Generation von Schilehrern war also geboren! Die Gäste wusste man von nun an also in kompetenter Begleitung bei den winterlichen Bergtouren. Das Hospiz in St. Christoph und die Alpenrose in Zürs waren die ersten Betriebe wo man in Fremdenzimmern nächtigen konnte.

 

 

Nach der Jahrhundertwende war das Skilaufen längst keine Sensation mehr, aber es zu erlernen forderte viel Geduld und Geschicklichkeit. 1905 wurde in Stuben ein erster Gästeskikurs durchgeführt. Unter den Teilnehmern war der später weltberühmte Hannes Schneider. Er entwickelte die Technik des Skilaufens bis zur Perfektion und gewann dadurch etliche Skirennen. Er galt auf Skiern als unschlagbar. Sein Fahrstil machte ihn und auch das Arlberggebiet, über die Grenzen hinaus, bis nach Amerika, bekannt. Hinzu kam noch eine Filmkariere in der er sein Können nun auch dem breiten Publikum sichtbar machen konnte (zB. „Der weiße Rausch, 1930 mit Leni Riefenstahl“).

Das alles verhalf der Arlbergregion schon früh zu Berühmtheit und Strahlkraft!

 

 

Während in Friedenszeiten das Skilaufen rein der körperlich-sportlichen Ertüchtigung und dem Vergnügen geschuldet war, veränderte sich diese Haltung während des 1. Weltkriegs rapide. Der Sache wurde zunehmend ein Sinn und Zweck abverlangt und so galt das Skifahren auch als optimale physische Vorbereitung für den Krieg.

Die Monarchie pflegte frühzeitig den Militärskilauf. Über mediale Aufrufe wurden Skifahrer rekrutiert und zu Aufklärern ausgebildet. Das Heer hielt Massenskikurse ab und in fast jeder Alpenkompanie waren 1-2 Skipatroullien, die zu einem guten Teil von Vorarlberger Skipionieren ausgebildet worden waren.

Nach Kriegsende brachten viele Soldaten ihre Skier mit nach Hause und die Armee verkaufte die übrigen, oder zurückgebrachten Bestände zu günstigen Preisen. Das vorhandene Material legte es also nahe, das Skilaufen nach Kriegsende weiter zu betreiben. So kam es bereits in den 20er Jahren zur ersten Blütezeit des Skisports und zu einem Aufschwung des Tourismus.

 

 

Zu wenige Friedensjahre und einen Krieg später bedingte das neue Führerprinzip den Idealtypus der arischen Rasse. Körperliche Ertüchtigung, Fitness und Leistungskraft waren darin tief verankert und wurden aufs Stärkste gefördert. In Kriegsmeisterschaften wurden die Ergebnisse des nationalsozialistischen Erziehungsideals untermauert, denn die Arlberger Sportler belegten immer Spitzenplätze.

Neben den siegreichen Platzierungen hatten die Schirennen und Meisterschaften aber auch einen breiten und überaus wirksamen Werbeeffekt. Das Skifahren an sich wurde noch populärer.

 

 

Der langsamen aber stetigen Entwicklung des Tourismus in Vorarlberg ist es zu verdanken, dass den Menschen in den Talschaften eine neue Erwerbsbasis geschaffen, und damit eine weitere Abwanderung in die Städte vermieden werden konnte.

Heute findet Gastlichkeit in allen Ecken und Enden Vorarlbergs statt und sie bildet einen grundlegenden Teil des erwirtschafteten Einkommens. Das Skifahren hat die Landschaft, Wirtschaft und das internationale Ansehen Österreichs nachhaltig geprägt. Man denke dabei an großartige Unternehmen wie Kästle und Doppelmayr, den Weltmarktführer im Seilbahnbau, bzw. an glänzende Sportkarrieren wie jene von Egon Zimmermann, Anita Wachter oder Marc Girardelli.

 

 

 

 

Titelfoto: Lech-Zürs Tourismus/Christoph Schöch

Historische Fotos: Vorarlberger Landesbibliothek / Sammlung Risch-Lau

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