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Fr 08. September 2017

Warum der Guide und nicht die App

Und dass bequeme Sandalen rein gar nichts damit zu tun haben!

„Folgen Sie mir!“ ruft eine übermotivierte „Animateurin“ ihrem keuchenden Tross aus Sandalenträgern zu, während sie wie wild mit einem zusammengefaltetem Knirps in der Höhe herumfuchtelt um ja nicht übersehen zu werden. Ich fürchte dieses Bild entsteht in vielen Köpfen wenn man den inzwischen leider wirklich überholten Begriff „Fremdenführer“ hört. Das dazu passende Wort „Stadtführung“ klingt genauso spannend und löst ebenfalls nur ein Gähnen aus.

Pfui, das ist Klischeedenken und damit tut man einer nicht ganz kleinen Gruppe Reisender unrecht! Schließlich handelt es sich um offene und kulturinteressierte Menschen und modische Aspekte stehen nun wirklich nicht im Vordergrund. Wenn ich selbst einen Städtetrip mache bin ich inzwischen ebenfalls eher in Turnschuhen als auf High Heels unterwegs. Schließlich gilt es das Optimalste aus der Reise rauszuholen. Und das gilt auch für die Führung!

 

 

Warum also einen Fremdenführer, Gästeführer oder Touristguide buchen, wo man selbst doch nicht zur Gruppe der Birkenstockfraktion gehört und es doch eh schon zahlreiche Apps mit sämtlichen Informationen zum Download gibt? Wikipedia zeigt mir genau wo und was ich in meiner Umgebung finde, sogar wann es erbaut wurde. Im world wide web lässt sich mühelos herausfinden wie viele Menschen, Kühe und Kirchen es in einem Radius gibt, den ich sogar selbst definieren darf. Zu Detailangaben wie Flächennutzung, BIP und wirtschaftlicher Wertschöpfung werde ich sexy und unaufgefordert weiterverlinkt.

Hhmm... Für mich fühlt sich das fast schon wie Arbeit an... Aber natürlich gibt es auch schon richtig gute, digitale Informationsspender und Helferlein. Das Dumme an denen ist allerdings, dass auch sie uns nicht auf die richtigen, bzw. richtig interessanten Fragen und Antworten bringen. Die entstehen oft erst durch die Impulse des Guides und folglich durch den Austausch der Gäste. Plötzlich tun sich neue Fragen und Gedanken auf. Im Zuge eines anregenden Geschnatters kann es plötzlich zu überaus wichtigen und interessanten Erörterungen kommen, wie z.B. „warum gibt es in dieser Stadt kein Bordell, wo es doch schon beinahe ein Übermaß an reizenden Damen gibt?

 

 

Humor kann die Technik meistens auch nur leidlich. Ständig mit dem Handy in der Hand rumzulaufen, sich neu zu orientieren und zwischen dem Lesen die stummen Objekte zu betrachten kann an manchen Tagen nicht uninteressant sein. Bestenfalls finde ich es allerdings zweckdienlich, schlimmstenfalls stressig und jedenfalls ziemlich inspirationslos.

Richtiges Interesse an einer Sache erwacht auch oft erst dann, wenn die Erläuterungen spannend, lustig oder einfach nur gut erzählt werden. Ganz soweit ist die Technik nun aber noch nicht, denn Facebook, Google oder Twitter können zwar mit massenhaft Informationen und Daten dienen, vielleicht auch bald schon unsere Stimmungslage und Physis auswerten, aber noch(!) wird Empathie nicht programmiert. Und die macht den großen Unterschied aus!

Im Vortrag und im Erfahrungsaustausch kann der menschliche Guide sofort reagieren und auch schon mal spontan die Richtung wechseln. Dadurch können Dynamik und Aha-Momente entstehen - und die gibt’s nur zwischen Lebenden. Bei einer richtig guten Tour darf es also auch gerne „menscheln“ -  und wenn es wirklich ganz toll läuft wird sie dadurch auch unvergesslich!

 

 

PS: Stadtführungen wirken übrigens auch überaus anregend bei Jahrgänger- oder Vereinsausflügen, oder auch mal als Kulturprogramm bei Betriebsausflügen oder auch bei familiären Anlässen!

 

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