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So 25. Oktober 2015

Uhrzeitwechsel

Los geht’s...

…mit der Zeit! Die hat auch am Bodensee irgendwann mal eine Heimat gefunden. Alle denken dass es sie immer schon gab und wir sind uns fast alle einig dass sie uns irgendwann mal an den Rand des Wahnsinns treibt. Dabei gibt es sie eigentlich gar nicht – die Zeit. Es ist immer wieder nur ihre Vergänglichkeit die sich beweist.

Irgendwann mal dachten auch die Menschen am Bodensee dass der Tag genauer gegliedert, besser strukturiert werden muss. Plötzlich war es einfach nicht mehr genug sich die Woche von Sonnenaufgang und Sonnenuntergang vorschreiben zu lassen und sich dann am 7. Tage auszuruhen. Besonders die Mönche und Klöster waren als intellektuelle Elite ihrer Zeit die treibenden Kräfte. Der Bodenseeraum war vom Mittelalter bis zur frühen Neuzeit ein Konglomerat an unterschiedlichen Territorien. Da gab es unabhängige Klosterstaaten, freie Reichsstädte, Königshöfe und Lehen. Sie alle folgten mehr oder weniger unterschiedlichen Uhrzeiten. Gemessen wurde die Zeit damals übrigens in den Gebetslängen. Man sehe es den fleissigen Mönchlein nach wenn ab und zu einer verschlief oder auf die monotone Pflicht vergass!

 

 

Ende des 16. Jahrhunderts wurde in einigen Herrschaftsgebieten der gregorianische Kalender eingeführt. Aber halt nicht überall. Ausserdem hatte die bäuerliche Bevölkerung nicht ganz unberechtigte Bedenken ob sich denn die Natur an den neuen Kalender halte würde. Schließlich purzelten im Nu die Jahrhunderte lang  überlieferten Bauernregeln und Lostage plötzlich über den Haufen. Aus dem 10. Februar 1582 wurde schwups am selben Tag der 21. Februar 1583. Ein Jahr Lebenszeit verloren sozusagen. Ein Zeitensprung.

Es dauerte lange bis die Kalenderreform Gregors überall angenommen wurde. Und dennoch wurde nichts einfacher. Als sich der neue Kalender nämlich endlich etabliert hatte und die Zeit schon ziemlich potent von Kirchtürmen bimmelte und von Rathäusern rief, gab es immer auch noch die herrschenden Lokalzeiten am schwäbischen Meer:

So hat man sich in Lindau an der bayerischen Münchner Zeit orientiert, während in Friedrichshafen die Stuttgarter Zeit galt. Konstanz richtete sich nach Karlsruher Angaben, wohingegen man in Rohrschach die Ohren gen Bern reckte. Die längste Zeit brauchte die Zeit allerdings von Bregenz nach Prag!

Mit all dem hätte man leben können, wäre nicht irgendwann mal eine Industrialisierung eingetreten, die auch das Reisen betraf. Plötzlich waren Fahrpläne einzuhalten und mussten die Schienen frei sein. Fünfmal musste man die Uhr also nachstellen bei so einer Reise um das schwäbische Meer. Schließlich einigte man sich aber doch auf eine einheitliche Zeit. Fast unglaublich dass es bis 1900 dauern sollte!

 

 

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