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Kapellen, Kirchen und Corona

Eine kleine Zeitreise in Gottes Häuser

Heute und in Zeiten von Corona, in denen wir nicht mehr an Teufels Werk für die sondersame Seuche glauben und Prozession zu unserem Schutz abhalten oder Pestsäulen errichten, hat sich auch die Kirche bzw. das religiöse Leben gewandelt. Gottesdienste waren zwar eine Zeit lang nicht mehr möglich, doch standen die meisten Kirchen ihren Gläubigen in der Zeit der Krise offen.

Nach dem 15. März, als das Reisen plötzlich unmöglich war und das kulturelle Leben am Boden lag, sind mir die Kirchen und Kapellen in Vorarlberg zu einer Quelle der Inspiration geworden. Sie zu besuchen und zu entdecken, hat mir in den letzten Wochen viel Freude und Abwechslung bereitet.

 

Unter oft großen Anstrengungen und Entbehrungen haben unsere Vorfahren Kirchen und Kapellen in die Mitte ihrer Dörfer gebaut. Damit haben sie ein Zeichen ihres Glaubens gesetzt und den Orten ein charakteristisches Gesicht verliehen. Weithin sollten sie sichtbar sein und als Fingerzeig die Allgegenwärtigkeit Gottes untermauern.

Der Klang der Glocken strukturierte nicht nur das religiöse Leben und den Arbeitsalltag, sondern sendete Botschaften von Feuer, Tod und Auferstehung. Die zahlreichen Glockenabnahmen zur Zeit des ersten und zweiten Weltkriegs waren für die Menschen ein traumatisches Erlebnis. Der frühere Hohenemser Pfarrer Renn berichtet 1916 in seinen Aufzeichnungen von baumstarken Männern, die weinten wie kleine Kinder als sie eben diesem Desaster ins Auge sehen mussten.

Wallfahrtsorte waren Orte der Frömmigkeit, die oft dank einer besonders schönen oder innigen Darstellung der Mutter Gottes entstanden sind. Diese wurde oft angebetet und aus Dankbarkeit an Orten platziert, wo zuvor Wunder geschahen oder Bitten erhört wurden. Die Menschen besuchten dann diese Orte in der Hoffnung auf Hilfe und Vergebung. Oft hinterließen sie Votivgaben mit der Bitte um Genesung oder ein Kind zu bekommen, oder aus Dankbarkeit für die Erhörung ihres Wunsches. Wallfahrtsorte sind also aus dem Glauben der Menschen entstanden und nicht, weil die Kirche diese Orte gezielt installiert hatte.

(Wallfahrtsbasilika auf dem Liebfrauenberg in Rankweil)

 

Die ältesten Kirchlein mit ihren gotischen Fresken berühren mich immer besonders. Ihre bunten Bildwelten, z.B. in der Martinskapelle in der Bregenzer Oberstadt oder der Kirche St. Nikolaus in Damüls, erzählen von der Heilgeschichte, von Heiligen und Legenden. Die Bilder und Symbole zu decodieren ist wie ein spannendes Rätsel.

(Fresken in der Martinskapelle in Bregenz)

 

Barocke Prachtentfaltung in zurückhaltender Manier findet man z.B. in der Stadtpfarrkirche St. Gallus in Bregenz oder in der Basilika und Wallfahrtskirche Maria Bildstein. Beide Kirchen befinden sich in wunderschöner Lage und ihre Umgebung lädt ein erkundet zu werden.

(Innenraum St. Gallus in Bregenz)

 

Und wenn man dann geschichtlich weiter in Richtung Gegenwart reist, wird man unweigerlich in der Zeit um die Jahrhundertwende ankommen. Hier sind dann die historisierenden Kirchen Herz Jesu in Bregenz, St. Martin oder St. Leopold in Dornbirn wahre Glanzlichter der Architektur und immer einen Besuch wert.

(Innenraum St. Leopold in Dornbirn-Hatlerdorf )

 

Obwohl diese Kirchen manchmal in bescheidenem Schein und dann wieder in farbiger Pracht erstrahlen, sind sie immer Orte der Spiritualität und des gelebten Glaubens. Sich in ihnen zu bewegen, zu beten oder  auch zur Ruhe zu finden, bedarf des größten Respekts. Wer sich nicht ganz sicher ist, wie man sich gebührend benimmt, findet hier einen Kirchenknigge.

Viel Freude beim besuchen und entdecken der Kapellen und Kirchen in Vorarlberg!

 

©Sabine Spiegel sämtliche Bilder

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