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Do 13. Juni 2019

Hohenems inspiriert

Ein Stadtporträt

Es ist wirklich kaum zu glauben wieviel Geschichte, Persönlichkeiten und Inspiration die zweitkleinste Stadt Vorarlbergs zuwege bringt.

Als Hohenems 1983 zur Stadt erhoben wurde, war ich ein Teenager und konnte mir beim besten Willen nicht vorstellen warum dieser Haufen desolater Häuser, noch dazu direkt an einer Durchzugsstraße gelegen, zu solchen Ehren kam. Hohenems wirkte damals ärmlich, hatte in der Bevölkerung einen überdurchschnittlich hohen Migrationsanteil und speiste daraus die Arbeiterschaft der umliegenden Industriebetriebe.

 

 

35 Jahre später hat sich ein starker demographischer Wandel und eine spannende architektonische Aufwertung der Stadt eingestellt.

Das ehemalige jüdische Viertel, wo nachmalig Gastarbeiterfamilien aus der Türkei und Exjugoslawien ihre Bleiben fanden, wurde in den letzten Jahren umsichtig saniert. Heute blickt man auf ein zusammenhängendes Ensemble, das aus ehemals jüdischen Villen, Wohnhäusern, einer Synagoge, einem Kaffeehaus, einer Lateinschule und dem jüdischen Ritualbad, einer Mikwe besteht. Das Viertel erzählt und atmet Geschichte, die im jüdischen Museum behutsam aufbereitet und dokumentiert wird.

Aber keine Angst, Hohenems gedenkt nicht nur der Juden zur Zeit des Nationalsozialismus. Die Ansiedelung einer jüdischen Gemeinde geht wesentlich weiter, bis ins frühe 17. Jahrhundert zurück, als in ganz Europa noch andere hierarchische Strukturen herrschten.

 

 

Die sogenannten Herren von Ems hatten es einer „guten Partie“ zu verdanken, dass sie im 16. Jahrhundert in den Grafenstand erhoben wurden. Die Ehe zwischen Wolf Dietrich von Ems und Chiara de Medici (aus Mailand, nicht die berühmte Sippe aus Florenz) wurde 1528 geschlossen. Zufällig oder nicht, Chiaras Bruder Angelo wurde später zu Papst Pius IV von Rom. Aufgrund dieser hochwürdigen Verwandtschaft zum Stellvertreter Gottes auf Erden, erhob nun der Kaiser selbst, die Herren von Ems in den Grafenstand.

Aus dem neuen Adelstitel resultierten Repräsentationsansprüche und Pflichten sowie die Ansiedelung mehrerer jüdischer Familien. Was daraus hervorging ist der Renaissancepalast mitten im Herzen von Hohenems. Heute wird er sowohl öffentlich genutzt, als auch von der gräflichen Familie Waldburg-Zeil bewohnt und mit Leben gefüllt. Die Instandhaltung und vormalige Sanierung des einzigen Renaissancebaus in Vorarlberg ist dieser adeligen Familie und deren Vorfahren, die direkt dem habsburgischen Kaiserhaus entstammen, geschuldet.

 

 

Hohenems bietet aber noch weitaus mehr, inspiriert mit Kunst und Kulinarik. Bei einer Führung in der Schokoladenmanufaktur verwandelt sich das im Mund zusammen gelaufene Wasser auf wundersame Weise sofort in Hüftgold. Eine einzigartige, süße und sinnliche Erfahrung. Man kann sie mit einer Wanderung auf den Schloßberg wieder „gut machen“ und sich gleich weiter inspirieren lassen, denn dort oben, bei der Ruine Altems, finden regelmäßig Kunstinstallationen statt.

 

 

Es sind die Kleinheit und die spannende Historie der Stadt, die Liebenswürdigkeit ihrer Bewohner und die unvergleichliche Marktgasse (in der keine Ladenketten Platz finden), die Hohenems zu einem charmanten und großartigen Ort werden lassen.

 

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