< Zurück zur Hauptseite
Mi 27. April 2016

Das schönste Schiff am Bodensee!

Die Hohentwiel

Ich kann nicht beurteilen welche ihrer Seiten die Schönste ist – vorne oder hinten, innen oder außen - sie ist einfach rundum gediegen. Klassisch, charmant und mit reifem Charakter!

 

 

Der nochmalige späte Wintereinbruch hat mir ehrlich gesagt die Vorfreude etwas getrübt, aber ich merke gleich, dass weder Kälte, noch schlechtes Wetter das Vergnügen einer Fahrt mit der Hohentwiel schmälern können. Gespannt sehe ich sie schon von Weitem über den See heran gleiten und bin ihr bereits verfallen als sie anlegt. Ich darf mitfahren und bin total happy!

Als ich das Schiff betrete kommt mir erst mal nur ein bewunderndes Wow über die Lippen. Alles ist stimmig und liebevollst gepflegt. Überall sieht man warmes glänzendes Holz, goldpolierten Messing und stimmungsvoll eingedeckte Tische. Die Musikkappelle mit ihren Instrumenten könnte direkt den zwanziger Jahren entsprungen sein... Schon bald swingt uns ihre Musik über den See.

Ich freue mich wirklich wie eine Schneekönigin!

 

 

Wir legen in Friedrichshafen ab und laufen um 18.30 aus. Endlich! Innerhalb von wenigen Minuten sind wir auf Kurs und außerdem überraschend schnell unterwegs. Ich staune nicht schlecht über die alte Lady  die 950 PS im Bauch hat und mit 56 Metern Länge satte 365 Tonnen verdrängt.

 

 

Am 1. Mai 1913 wurde die Hohentwiel geboren, bzw. vom Stapel gelassen. Der damalige Württembergische König Wilhelm II war technischen Neuerungen gegenüber offen und nahm sie in die Bodenseeflotte auf.

Etliche Fahrten, zwei Weltkriege und knapp 60 Jahre später wurde sie ausgemustert und vom Bregenzer Segelclub günstig erstanden. Sie fand eine wenig royale Verwendung als Clublokal. Nachdem die Hohentwiel auch diesen Dienst brav erledigt hat, ist sie dann in den achtziger Jahren nur knapp der Verschrottung entgangen.

Ihrer adeligen Würde beraubt, in hunderte Einzelteile zerlegt und langsam vor sich hin rostend, hatte ein Museumsverein Erbarmen mit dem in die Jahre gekommenen Mädel und übergab sie geschickten Händen zur Restaurierung. In wohl tausenden Arbeitsstunden, mit unbeschreiblicher Hingabe und Zielstrebigkeit und  einer fast übermenschlichen Portion Leidenschaft, hat ein ehemaliger Ingenieur und Hochseekapitän mit seinem Team die Hohentwiel wachgeküsst und wieder zu neuem Leben erweckt. Seit 1990 ist sie nun, dank der liebevollen Pflege ihrer Mannschaft, immer noch bestens in Schuss!

 

 

Das Dampfschiff versteht es scheinbar auch die Menschen zu verbinden. Jene die sie pflegen und fast täglich mit ihr über den See gleiten, spornt sie zu außergewöhnlichem Einsatz und Loyalität an.

Die Kessel über mehrere Stunden bei ca. 50°C unter Bord zu heizen, kann nicht nur reines Vergnügen sein. Außerdem entspricht es nicht gerade den modernen Vorstellungen eines Arbeitsplatzes im 3. Jahrtausend.  Dass sich ein Team aus Nautikern, Köchen und Servicepersonal zum fröhlichen polieren der Garderobenhaken und Messingarmaturen trifft, habe ich zuvor auch noch nie gehört. Aber dass eine Marketingleiterin vor der Ausfahrt noch selbst mit dem Staubsauger über die Decks saust, finde ich schon beinahe bizarr.

Hut ab für so viel Verbundenheit und Teamgeist! Sie sind es auch, die die gute Stimmung an Bord prägen und multiplizieren.

 

 

Nach drei Stunden purem Vergnügen und einem köstlichem Essen laufen wir wieder im Hafen ein. Ich gehe wirklich nur ungern von Bord.

Der alten Dame Hohentwiel sei ihr guter Dienst gedankt. Als Belohnung dafür bekommt sie noch eine satte Portion Öl für ihre Maschine, was davon übrig bleibt wird ihr mit sanften Streicheleinheiten über die Zahnräder geschmiert…

 

 

Vielen Dank für das wundervolle Vergnügen!

 

1 Kommentar