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Mi 10. Februar 2016

Eine bizarre Vielfalt, oder

alles Gute kommt von oben!

…alles Gute kommt von oben - das sagt sich nur so leicht, wenn man dabei nicht ständig Gefahr läuft, dass es einem auf die Linse regnet. Schnee gibt es auch heute wieder mal keinen und besonders dekorativ wirkt das grau in grau leider auch nicht aus auf meinen Fotos… Aus irgendeinem Grund habe ich mich heute der Worte meines ehemaligen Kunstgeschichteprofessors erinnert, der uns immer ermahnt hat die Augen und den Blick nach oben zu richten. Dadurch wirkt man zwar vielleicht etwas überheblich, es ist allerdings nicht zu bestreiten, dass da plötzlich so manche Dinge zum Vorschein kommen, die man bei einem Spaziergang mit stetem Blick auf‘s Handydisplay garantiert übersehen hätte.

Ich mache mich also trotz des tristen Wetters auf den Weg und auf die Suche nach den Dingen „von oben“. Und siehe da – der gute Professor hatte tatsächlich recht! Obwohl ich ein sehr ambivalentes Verhältnis zu ihm hatte, ist er offensichtlich doch nicht bei allen Dingen ganz falsch gelegen. Wie ich da also so hochnäsig vor mich hin schreite (schneller trau ich mich nicht aus Angst zu stolpern), werde ich ziemlich schnell fündig. Mein Blick fällt auf eine Ziffer hoch oben am Bregenzer Festspielhaus. Na, wer kann diese  Zahl aussprechen oder kennt sogar ihre Bedeutung?!

 

Hiermit sei verraten: Das Konzept für diese Lichtinstallation entstammt dem Briten Cerith Wyn Evans und sie ist auf dem Dach des Festspielhauses angebracht. Ihr weißes Neonlicht strahlt in etwa 12 m Höhe und stellt die berechnete Lichtgeschwindigkeit dar. Die ca. 80 cm großen Zahlen  werden je nach Licht- und Wetterverhältnis ziemlich unterschiedlich wahrgenommen. Heute verschwinden sie fast am farblosen Himmel. Zumindest weiß ich um was es geht, wie man diese unglaubliche Zahl ausspricht ist mir allerdings immer noch schleierhaft!

Nach wie vor ziemlich wichtigtuerisch jage ich dem ultimativen allesgutekommtvonobenbildmotiv hinterher. Es dauert nicht lange und fast schon provokativ werfen sich etliche Möwen vor mir in Szene. Mein Herz lacht und mein inneres Auge schießt zahlreiche spektakuläre Fotos der Flugakrobaten. Die Realität schaut allerdings ganz anders aus. Wer schon mal versucht hat einen fliegenden Vogel vor die Linse zu bekommen, der weiß wovon ich spreche. Hier das ernüchternde und etwas peinliche Ergebnis:

 

Und nach der Landung haben sie mich dann auch noch ausgelacht!

 

Da sind mir meine nächsten Modelle dann doch wesentlich lieber. Sie sind nicht nur wunderschön, sondern wirken auch äußerst professionell wie sie da den Kornmarktplatz zieren und ihm zu wahrer Strahlkraft verhelfen. Ich brauche nicht extra zu erwähnen, dass es im subara Ländle natürlich kein (offizielles) Bordell gibt. Die beiden Grazien sind auch keineswegs ein Hinweis auf etwaig verfügbare Liebesdienste oder unverbindliche Amusements. Ein Besuch des Ateliers ihrer Erschafferin Petronilla lohnt sich aber ganz bestimmt!

 

Pupillen nach oben und weiterentdecken. Es dauert nicht lange bis ich bei einem der ältesten und darum wohl auch wertvollsten Kulturgüter der Stadt ankomme. Eigentlich ist es nur eine Kopie – das Original ist in gesunder Verwahrung im vorarlberg museum zu betrachten.

Dabei handelt es sich um einen Weihestein für die ursprünglich keltische Schutzgöttin der Pferde und Stallungen. Zurückdatieren lässt sich das Relief der Epona nicht so genau, aber es dürfte ca. im 2./3. Jh. n. Chr. entstanden sein. Und weil sich dann alsbald auch die Römer hier niederließen und man der schützenden Götter nie genug haben konnte, wurde sie im Lauf der Zeit, trotz keltischer Herkunft, in den großen römischen Götterreigen aufgenommen und weiterhin verehrt.  Wer weiß wo man sie findet?

 

Zu guter Letzt komme ich bei einem alten Bekannten vorbei. Er ist weder so antik wie unsere Epona, noch so attraktiv wie die beiden Damen von Petronilla, aber immer wenn ich mit meinen Gruppen bei ihm vorbeikomme, schaut er spöttisch auf uns runter.  Irgendwie scheint er uns für unser jämmerliches Dasein zu bemitleiden. Trotz dieser unangenehmen Eigenschaft kann ich mich seinem Charme nicht entziehen und finde ihn äußerst liebenswert.

Was der wahre Grund für seine Existenz ist, weiß ich leider nicht. Vermutlich nur Dekoration. Früher war es aber öfters so, dass man an den Stadttoren und –Mauern sogenannte Neidköpfe anbrachte. Meist waren sie in die Fassaden eingemauert oder über den Portalen verankert. Nur die Kelten waren - weil etwas früher dran - wohl auch pragmatischer und haben einfach die Köpfe ihrer Feinde zur Abschreckung auf Pfähle gesteckt und zur Schau gestellt. Genau diesen Zweck erfüllt also so ein Neidkopf: er soll das Böse, Dämonen, Neid oder den bösen Blick vom Bewohner des Hauses abhalten. Ich werde meine Beziehung zu diesem charmanten Teufel nochmal überdenken.

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