< Zurück zur Hauptseite
Mi 24. August 2016

Menschenspuren

3 starke Persönlichkeiten

Recht viele Menschen, nein Persönlichkeiten, die wirklich Großartiges geleistet haben, stammten oder lebten in der Region zwischen Arlberg und Bodensee. Teilweise haben sie ein Erbe hinterlassen dessen man sich heutzutage kaum mehr bewusst ist, dem man aber dennoch immer wieder begegnet, auch wenn es unsichtbar scheint. Diese Persönlichkeiten sind es die die allermeiste Aufmerksamkeit und Anerkennung verdienen. Einige kennt man vielleicht vom Namen her, kann sie aber nicht zuordnen. Bei anderen hat man sofort ein ganz klares Bild vor Augen wenn man sie sich ins Gedächtnis ruft. Jeder Einzelne von Ihnen malt unserer bezaubernden Region eine wundervolle Falte mehr ins Gesicht.

 

Hermann Gmeiner (* 1919 in Alberschwende; † 1986 in Innsbruck)

Wer weiß schon, dass der Gründer der SOS-Kinderdörfer, der so vielen Kindern ein Zuhause schenken konnte in Alberschwende, im Bregenzerwald geboren wurde? Als Sohn eines Bergbauern wurde er selbst bereits im zarten Alter von nur fünf Jahren Halbwaise. Aufgrund seiner eigenen prägenden Kindheitserfahrungen und mit der Fürsprache des Innsbrucker Dekanats gründete er in Tirol einen Verein dessen Bestreben die Errichtung eines Dorfes für Waisenkinder war.

Mit viel Hartnäckigkeit und Ausdauer schaffte er sein Ziel und konnte am Weihnachtsabend 1950 den ersten fünf Waisenkindern ein neues Daheim und damit Hoffnung und Trost schenken. Nur wenig später wurde das Kinderdorf von weiteren vierzig Kindern bezogen. Heute gibt es in 133 Ländern der Welt SOS-Kinderdörfer und Jugendwohneinrichtungen in denen etwa 65.000 Kinder und Jugendliche leben.

 

In der von Hermann Gmeiner begründeten Societas Socialis war bereits die Abkürzung SOS enthalten, was heute noch als Synonym für „Save our Souls“  steht. Hier sehen wir ihn bei der Verleihung des Ehrenzeichens des Landes Vorarlberg 1974.

Henry Dunant (* 1828 in Genf; † 1910 in Heiden im Appenzell)

Es war mehr oder weniger Zufall, dass Henry Dunant 1859 die verheerenden Auswirkungen der epochalen Schlacht von Solferino (1859) zu Gesicht bekommen sollte. Das Trauma von fast 40.000 Toten und Zehntausenden Verwundeten aus den napoleonischen und den österreichischen Truppen hatte ihn zutiefst geprägt und dazu bewegt ein Buch zu schreiben. Er schickte „Eine Erinnerung an Solferino“, wo er die elenden Zustände der Verwundeten und der Lazarette beschreibt, an Regierungsmitglieder und Militärs in ganz Europa. Sein Ziel war es, ein Abkommen zu schaffen welches die Versorgung aller Verwundeten in Kriegszeiten regeln sollte. 1864 unterzeichneten 12 Nationen die Konvention aus der das Internationale Komitee vom Roten Kreuz hervorging.

Henry Dunants eigene Karriere als Geschäftsmann scheiterte und er wurde zwei Jahre später für bankrott erklärt. Was folgte war sozialer Abstieg bis in die zeitweilige Obdachlosigkeit. Jahre später ließ er sich im schweizerischen Heiden nieder und traf dort eines Tages zufällig auf einen Journalisten der seine Verdienste medial veröffentlichte.

Was folgte waren etliche Ehrungen, 1901 der erste Friedensnobelpreis der je vergeben wurde, finanzielle Zuwendungen. Trotz der späten Rehabilitation blieb aber auch die Verbitterung. Bis zu seinem Tod tastete er das Geld nicht an und wohnte im Armenspital des Appenzeller Kurortes Heiden oberhalb vom Bodensee.

 

Heute agiert das Rote Kreuz national und international. Es leistet wertvolle humanitäre Hilfe bei Rettungseinsätzen, Flüchtlingshilfe und Katastropheneinsätzen. Iim Apenzeller Kurort Heiden ist Henry Dunant ein Museum gewidmet.

 

Ferdinand Adolf Heinrich August von Zeppelin (* 1838 in Konstanz; † 1917 in Berlin)

Mit nur 21 Jahren musste der junge Ferdinand Graf Zeppelin die Kadettenschule verlassen und wurde zum Militär einberufen. Diese plötzliche Veränderung und der erste Kontakt mit Ballonen die im US-amerikanischen Sezessionskrieg veränderten den jungen Grafen nachhaltig und sollten seine Faszination für die Fliegerei wecken, die ihn zeitlebens nie mehr los ließ.

Es sollten viele Jahre vergehen bis er seinen Traum verwirklichen konnte und ein lenkbares Luftschiff 1900 dem Himmel entgegen schickte. Es hielt sich genau 18 Minuten in der Luft bevor es auf dem See notlanden musste. Dennoch war nun klar, Idee und Technik funktionierten!

Seine Hochblüte erlebten der Zeppelinbau- und Flug allerdings erst während und nach dem ersten Weltkrieg. Die Luftschiffe wurden im Krieg eingesetzt und London und Paris wurden 1915 aus Zeppelinen beschossen.

Um 1930 wurden transatlantische Linienflüge eingerichtet und ein erster Massentourismus fand statt. In den kommenden 8 Jahren foltgen etwa1500 Fahrten bei denen rund 35.000 Passagiere befördert wurden. 1929 folgte mit dem LZ 127 eine erste Weltumrundung und eine Forschungsreise zur Arktis. Überseeflüge von Süd- über Nordamerika nach Europa wurden für die Reichen angeboten und in über 100 Fahrten von Pernambuco über Lakehurst nach Friedrichshafen und Frankfurt abgewickelt.

Das Ende der Blütezeit war jedoch unaufhaltsam. 1937 kam es mit dem Absturz der 254 m langen Hindenburg zu einem flammenden Inferno das 36 Menschen das Leben kostete. Nur zwei Jahre später fand der erste Transatlantikflug mit einem Passagierflugzeug statt. Durch diese technische Weiterentwicklung fand die Luftschifffahrt, nach einer Historie mit 119 Zeppelinen, ein recht abruptes Ende.

 

Der Graf starb 1917 im Alter von 78 Jahren und hinterließ ein Vermächtnis. 80 Jahre später wurde in Friedrichshafen das alte Wissen um den Luftschiffbau wieder zu Tage befördert und ein neuer Zeppelin gebaut. Was man heute ab und zu in Form einer Zigarre am Himmel fliegen sieht ist ziemlich einzigartig auf der Welt. Die einzige Reederei die es weltweit gibt, befindet sich nach wie vor in Friedrichshafen!

 

PS: Das Titelfoto zeigt einen Teil des ehemaligen Fluchtwegs von Hohenems in die Schweiz. Paul Grüninger hat hunderten jüdischen Flüchtlingen während des zweiten Weltkriegs, die Einreise in das sichere Land ermöglicht.

 

2 Kommentare

  • Hildegard Riedmann  26.08.2016 13:34

    Man hat ja in der Schule von diesen Persönlichkeiten gehört , um so mehr freut es mich , daß du uns diese besonderen Menschen , die die Geschichte prägten wieder in Erinnerung rufst . Danke , liebe Sabine , für deine tollen Beiträge .

    • Spiegels Ansichtssache  27.08.2016 14:32

      Herzlichen Dank liebe Hildegard für's fleissige Lesen und die Wertschätzung!
      Sonnige Grüße,
      Sabine

  • Evelin  25.08.2016 18:44

    Hallo Sabine.
    Danke für die tollen Berichte. Es ist immer wieder spannend sie zu lesen.
    Liebe Grüße Evelin

    • Spiegels Ansichtssache  27.08.2016 14:43

      Vielen Dank zurück Evi! Es freut mich wenn dir die Artikel gefallen - ein Grund weiter zu machen :)
      Liebe Grüße,
      Sabine