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Mi 05. Juli 2017

20 Jahre KUB

...und die schönsten Füße der Kunstgeschichte

Ich betrete das Kunsthaus und wähne mich zuerst in einer Kathedrale. Auf den zweiten Blick könnte es sich durchaus auch um eine Zeitraffersequenz aus „Das fünfte Element“ handeln. Es trifft mich ohne vorherigen Hinweis, ohne Warnung. Niemand der mich zuvor in kleinem geschützten Rahmen begrüßt und etwa ins Innere leitet. Kein Schalter den ich ansteuern könnte und von wo aus ich mich sammeln und orientieren könnte.

Die Menschen gehen unterschiedlich mit dieser Situation um. Die einen scheinen Deckung an den glatten Wänden zu suchen und fühlen sich ausgesetzt in der Mitte des riesigen Raums, die anderen zieht es mitten hinein. Das Licht wirft zahlreiche Farben und Schatten in das Innere des Erdgeschosses. Der Boden ist bemalt mit einem monumentalen Gemälde von Piero della Francesca.

 

 

Ich bin beeindruckt, kann nichts als schauen, staunen und Meter um Meter erkunden.

                                                                                                               

Ein Stockwerk weiter oben beginnt eine andere Welt, oder ein anderes Erdzeitalter. Schwer einzuordnen ist dieser Raum der einer Meereswelt gleicht. Es ist dunkel, etwas beklemmend, die Decke scheint durchzuhängen und über ihr ranken sich Pflanzen die den Weg nach unten zu suchen scheinen. Fast wie Seerosen, die man vom Grund eines Teiches nach oben betrachtet. Der Meeresboden zu meinen Füßen ist mit Steinplatten, Ammoniten und Fossilien übersät. Ein gewichtiger Schatz mit dem uns die Natur beschenkt hat und der in Marokko geborgen wurde. 140 Tonnen jahrtausendealte Erdsubstanz.

 

 

Der Aufstieg geht voran in die nächste Etage. Es wird noch dunkler, sehr warm und es herrscht eine fast archaische Stimmung. Es ist vermutlich das erste Mal dass ein Museum oder eine Kunsthalle mit offenem Feuer bespielt wird. Die Flammen verlaufen entlang der Wand und werfen ein mystisches Licht auf die Kopie von Picassos überdimensioniert abgebildeter „Guernica“. Ein wichtiges kunsthistorisches Werk des 20. Jahrhunderts und gleichzeitig ein Mahnmal gegen die Unmenschlichkeit des Krieges. Eines Krieges in dem gezielt die Zivilbevölkerung der baskischen Stadt Guernica ausgelöscht werden sollte. 

 

Der letzte Zyklus in der obersten Etage schafft Erleichterung. Fast scheine ich im Himmel angekommen zu sein. Nach der Dunkelheit wirkt das Licht nun gleißend hell, der Boden strahlt lichtweiß und glänzend. 

Allerdings werde ich nicht von einem sanftmütig lächelnden, lieben Gott mit weißem wallendem Bart und himmlischen Chören, sondern von den schönsten Füßen der Kunstgeschichte empfangen. Willkommen zurück am Boden! Es ist mir ein Vergnügen und eine wahre Freude das beste (?) Drittel von Michelangelos David, in echtem Carraramarmor nachgebildet, betrachten zu dürfen. Die Leichtigkeit der florentinischen Seele hat Einzug genommen!

 

Ein opulentes, spannendes und überaus beindruckendes Werk zeitgenössischer Kunst.

Leider ist mein Bildmaterial nicht überzeugend, deshalb lohnt sich ein Besuch umso mehr! Wer nicht hingeht ist selber schuld ;)

 

Adrián Villar  Rojas (Argentinien)

13.5. bis 27.8.2017 Kunsthaus Bregenz

Das KUB feiert übrigens seinen 20. Geburtstag und bietet daher am 15. und 16. Juli kostenlosen Eintritt und Kurzführungen an!

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